Gill, als Mutter von 3 Kindern: Wie haben Sie persönlich die Anfänge von BLW erlebt?
Meine Kinder sind alle inzwischen erwachsen und BLW in diesem Sinne habe ich nicht mit ihnen gemacht. Aber ich habe auch nicht viel mit dem Löffel gefüttert, da sie mir relativ bald gezeigt haben, dass sie auch alleine mit den Händen essen können. Vor allem bei meiner jüngsten Tochter war es so, dass sie einfach ihre größeren Brüder nachgemacht hat und meine Hilfe garnicht benötigt hat. So habe ich – wie viele Eltern von mehreren Kindern – BLW für mich entdeckt, ohne wirklich zu wissen, wie diese Form des Essens bezeichnet wird. Das, was ich in den vergangenen Jahren gemacht habe ist, diesem Ansatz einen Namen zu geben, sodass darüber auch gesprochen wird.

Ich begann, die Theorie von BLW während meiner Zeit als „health visitor“ (so etwas wie eine Kinderkrankenschwester, Stillberaterin, etc.) zu entwickeln, da ich merkte, dass es viele Essens-Probleme(bei Breifütterung mit dem Löffel) löst, wenn man Babys im Alter von 6-9 Monaten sich selbst füttern lässt. Gleichzeitig stellte ich fest, wie gut eigentlich Neugeborene darin sind, sich selbst zu füttern – im Sinne von stillen! Also fragte ich mich: Vielleicht können sie sich auch in einem anderen Alter schon selbst füttern?

Was würden Sie Müttern raten, deren Babys ständig Essen auf den Boden werfen, ohne etwas zu sich zu nehmen? (Vor allem in der Anfangsphase von BLW)
Babys im Alter von 6 Monaten werfen nicht absichtlich Essen auf den Boden, da sie die physische Koordination noch nicht so gut beherrschen. Aber sie werden unabsichtlich etwas fallen lassen, während sie lernen und entdecken. Es besteht kein Grund zur Sorge, solange sie gestillt werden oder das Fläschchen bekommen, bis ca. 9 Monate. Babys ab einem Alter von 9 Monaten können schon eher Lebensmittel absichtlich hinunter schmeißen. Wenn sie dies immer wieder tun, ist das vielleicht ihre Art zu sagen „Ich habe genug“. Eltern können versuchen, etwas anderes anzubieten, aber wenn das wieder geschieht, sollte man akzeptieren, dass das Baby satt ist.

Eine Frage, die oft von Müttern gestellt wird ist: „Wann werden wir das Stillen/die Stillmahlzeiten reduzieren“? 
Das ist sehr verschieden. Normalerweise sollte man eine Reduktion bis mindestens 9 Monaten nicht erwarten, und eine eventuell sehr geringe ab diesem Zeitpunkt. Vorausgesetzt die Brust wird nach Bedarf angeboten, kümmert sich das Baby um den Rest – das ist nichts, das die Eltern entscheiden. Etwas schneller könnte es gehen, wenn dem Baby zusätzlich noch andere Getränke angeboten werden. Grundsätzlich reicht die Muttermilch aber als Getränk, solange es Mutter und Kind möchten. Einen Becher Wasser zum Essen anzubieten ist sicherlich eine gute Idee, um das Baby an den Becher/das Glas zu gewöhnen, jedoch sollte man nicht erwarten, dass das auch getrunken wird, solange das Baby die Möglichkeit hat, nach Bedarf gestillt zu werden.

In Ihrem Buch schreiben Sie oft, dass man salziges Essen nicht geben sollte. Viele Mütter fragen sich warum? Vor allem müssen jüngere Mütter oft mit ihren Müttern darüber diskutieren, warum sie salzlos kochen. Was ist Ihre Meinung dazu?
Dieses Thema ist kein BLW spezifisches. Es ist eine gängige Empfehlung an Eltern, die das Essen für ihre Kinder selbst zubereiten. Der Hauptgrund ist, da Babynieren Salz nicht verarbeiten können. Die Regeln über Salz, Zucker, bestimmte Fischsorten etc. sind exakt dieselben wie beim herkömmlichen Füttern mit dem Löffel. Der Unterschied bei BLW ist, das idealerweise die ganze Familie das gleiche isst und somit die Speisen so zubereitet werden, dass sie auch das Baby mitessen kann. Wenn die Erwachsenen Salz zufügen möchten, können sie das auf ihrem Teller tun. Ein weiterer Grund, warum man Bedenken wegen Salz und Zucker hat, ist, dass viele Speisen heutzutage als Fertiggerichte gekauft werden und sich darin (auch in Saucen etc.) sehr viel Salz und Zucker befindet. „Zu Großmutters Zeiten“ gab es das nicht.
Um BLW machen zu können, müssen Familien lernen, einfache Gerichte selbst zu kochen, mit wenig oder gar keinem Salz, Zusätzen etc. Viele BLW-Eltern sind sehr froh, damit die Gelegenheit erhalten zu haben, die Ernährung der ganzen Familie verbessern zu können.

Danke für das Interview, Gill!

(Anm.: Das Interview wurde in englisch von Mag. Svetlana Hartig am 21.4.2014 geführt und findet sich untenstehend im Originalwortlaut.)

As a mother of three kids: How did you personally experience the beginnings of BLW?
I didn’t! My children are all in their 30s and I didn’t ’do’ BLW with them. However, I didn’t do much spoon feeding, either, because they quickly showed me they could manage with their hands. I really don’t remember any spoon feeding at all with the youngest one – she just copied her brothers and didn’t need my help. Like lots of parents of three or more children, I discovered BLW for myself, although, like most of them, I didn’t realise it at the time. All I have done in recent years is to give this common-sense approach a name, so that it can be talked about, and first-time parents can hear about it.
I began to develop the theory of BLW in my years as a health visitor (like a public health children’s nurse) and breastfeeding counsellor, when I realised that letting babies of 6-9 months feed themselves solved lots of the problems parents were experiencing when trying to spoon feed that age group (food refusal, picky eating, difficulty moving on to lumpy foods). At the same time, I was becoming more aware of how good at feeding themselves (at the breast) newborn babies are. So I asked myself, maybe they can feed themselves at any age?

What would you e.g. suggest mothers, whose babies keep on throwing food on the floor without eating a thing?
Babies of six months don’t actively throw food on the floor because they don’t have the physical co-ordination to allow them to do it. However, they may accidentally drop it quite a lot while they are learning and discovering. Since they don’t really start to need foods other than breastmilk/formula until about nine months, there is no need to worry. Older babies (9m onwards) can throw things on purpose. They may do so as an experiment but they won’t keep doing it if the parents don’t make it into a game. If a baby of 9m or older is repeatedly throwing food, that is probably their way of saying ’I’ve had enough of that.’ Parents can try offering something different but, if the same thing happens, accept that the baby has had enough to eat.

A question often asked is: When will my baby drink less milk, in terms of: when will we reduce breastfeeding? Could you tell us your experience?
This is very variable. Parents shouldn’t normally expect any reduction in breastmilk intake until at least 9 months, and only very gradually after that. Provided the breast is offered on demand, the baby can take care of this – it’s not something the parents need to decide. Cutting down breastmilk will be quicker if the baby is having other drinks but breastmilk can carry on being the baby’s only drink for as long as baby and mother wish. Offering a cup of water at mealtimes is a good idea, to get the baby used to the cup – and to doing what everyone else is doing – but there is no reason to expect her to drink it if she is still able to breastfeed whenever she wants.

In your book, you often mention, not to give salty food. Many mothers are wondering why? Especially younger mothers often face conversations with their mothers and are trying to give appropriate answers, but can’t. What is your statement to this topic?
This is not specifically to do with BLW – it’s the usual advice for parents making their own food for their baby. It’s because babies’ kidneys are not able to deal with a lot of salt. Rules about salt, sugar, certain fish etc. etc. are all exactly the same with conventional spoon feeding and with BLW. The difference with BLW is that, ideally, the whole family will eat the same food as the baby. This means that everyone’s meal has to be cooked in a way that is suitable for the baby. If the adults want to add salt etc., they can do it on their own plate. Also, there are more concerns about salt and sugar nowadays, because so many foods – packet meals, sauces etc. – are bought ready-made (which was not the case in Grandma’s day). These highly processed foods almost always contain a lot of salt and sugar. To do BLW, families really need to learn to cook simple meals themselves, with little or no salt, sugar, additives etc. A lot of BLW parents are pleased to have this opportunity to improve the diet of the whole family.

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Mein Name ist Svetlana Hartig (Lana), ich bin verheiratet und Mama von Elena und Julijan. FreshBaby® war eine Idee, die im Zuge der Beikost mit Elena geboren wurde und die mir jeden Tag aufs Neue eine Freude bereitet. Kochen und Backen ist schon lange mein Hobby. Mit FreshBaby & FreshBaby Family möchte ich mein Wissen und meine Leidenschaft an andere Familien und Institutionen weitergeben und euch und eure Lieben kulinarisch verwöhnen.
FreshBaby steht für gesunde und abwechslungsreiche Familienkost und Baby-led Weaning, der selbstbestimmten Beikost für Babys ab 6 Monaten. Unterstützt werde ich dabei von meinem lieben Mann, den beiden Zwergen und vom Thermomix®.
Studiert habe ich Politikwissenschaften und Business Management. Derzeit mache ich noch meine Ausbildung zum dipl.Kinderernährungscoach.

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