„Wir haben leider für dich nichts mehr zu tun.“

„Sie passen wirklich gut ins Profil, aber da Sie ja kleine Kinder haben, können Sie sicher keine Überstunden machen.“

„Was, Sie sind schwanger und bewerben sich bei uns? Frechheit!“

„Naja, mit kleinen Kindern sind Sie sicher oft in Pflegeurlaub. Das können wir uns leider nicht leisten.“

„Danke für Ihre Bewerbung, aber leider ist die Stelle schon besetzt.“

„Danke für Ihre Bewerbung, aber andere Bewerber passen besser in unser Profil.“

„Passend zu ihrem Profil (Anm.: zwei abgeschlossene Studien, jahrelange Berufserfahrung) können wir Ihnen eine Stelle als Reinigungshilfe anbieten.“

Einige wenige Sätze, die ich in meinem Umfeld und auch bei mir selbst in letzter Zeit gelesen und gehört habe. Bewerbungen von Mamas nach der Karenz/Elternzeit, die entweder kein Gehör finden oder innerhalb von kürzester Zeit in Absagen enden. Ohne überhaupt eine Chance auf ein Gespräch zu bekommen. Da ich das Thema so wichtig finde und in den letzten Tagen auch so viele Nachrichten bekommen habe, wie verzweifelt viele sind, möchte ich gerne einige Zeilen mit euch teilen.

Wiedereinstieg in den Beruf nach der Babypause

Ich habe in den vergangenen Jahren so ziemlich alles mitgemacht, was den Arbeitsmarkt angeht. Von Werkvertrag, über angestellt bis hin zu selbstständig. Es hat alles eine Vor- und Nachteile. Aber irgendwie hat sich alles mit meinen Babys verändert. Plötzlich wird man von der Arbeitswelt mit anderen Augen gesehen. Und dann erfahre ich, dass vielen Müttern dazu geraten wird, ihre Kinder NICHT im Lebenslauf anzuführen.

Neuorientierung während der Karenz

Wisst ihr, warum sich viele von uns – mich eingeschlossen – während ihrer Karenz umorientieren oder sogar selbstständig machen? Weil sie fürchten, nach der Babypause nicht mehr Fuß fassen zu können. Weder in ihrem alten Job noch in einem potentiellen neuen. Oder nicht nur, weil sie es fürchten, sondern, weil es so ist! Fakt: Eine andere Freundin von mir, kehrte zwar zu ihrem alten Arbeitgeber zurück, jedoch gab es ihren alten Job nicht mehr, sondern eine weniger bezahlte Position, die nicht mehr viel mit ihren alten Aufgabengebieten zu tun hatte. Plötzlich war man der Ansicht, sie könne ihren alten Job nicht mehr machen, sondern nur noch weniger Wichtiges.

Eine Mama schrieb mir, dass sie nach einem Jahr in ihren Job als geringfügige Mitarbeiterin zurückkehrte. Das Mitarbeitergespräch empfand sie als besonders mühsam, weil nicht ihre gesamte Leistung (vor der Karenz) beurteilt wurde, sondern nur das, was sie in den wenigen Stunden machte. Und das war wohl für den Arbeitgeber unzureichend.

Eigentlich weiß ich nicht, ob es darum geht, dass wir nicht mehr zurückfinden können oder es nicht wollen. Nach der Geburt meiner Tochter konnte ich es mir ehrlich gesagt auch nicht mehr vorstellen. Das war einer der Gründe, weshalb ich mich nebenbei selbstständig gemacht habe. Mit einem Thema, das mein Herz berührt und das ich einfach so gerne mache. Nach rund drei Jahren Selbstständigkeit,die mehr als Hobby betrieben wird, mit allen Auf und Abs, überlege ich aber jedoch wieder, in die Berufswelt zurückzukehren, ohne aber mein derzeitiges berufliches Baby aufzugeben. Meine ersten Versuche sind jedoch gescheitert. Wollt ihr wissen, wieso?

Weil ich meine Kinder in meinem Lebenslauf NICHT VERSCHWEIGE.

Zuerst dachte ich, dass ich es mir einbilde. Kann ja passieren. Kann ja sein, dass ich mich irre. Aber, wenn man sich auf Stellenausschreibungen bewirbt, die dem eigenen Profil und Lebenslauf zu 99-100 % entsprechen, und man dann nicht einmal zu einem Gespräch eingeladen wird, beginnt man zu grübeln und mit anderen Menschen darüber zu reden. Und siehe da. Sogar HR-Menschen, Personalisten und Jobcoaches empfehlen, die Kinder und/oder den Familienstand nicht im Lebenslauf anzugeben. Denn so könnte es passieren, dass die Bewerbung nicht einmal gelesen wird, sondern gleich auf dem Stapel landet, der entsorgt wird.

Ich war- um ehrlich zu sein- über diese Aussage richtig entsetzt, wütend und traurig zugleich. Irgendwie wurde mir aber dadurch einiges klarer. Vor meiner Karenz hatte ich keine Probleme einen Job (ich rede hier von einem Angestellten-Verhältnis) zu finden und mit Kindern bekommt also mein Lebenslauf – der ja in Wirklichkeit an Erfahrung dazu gewonnen hat – eine Degradierung. Unser Hirn wird doch nicht auf Reset gesetzt, nur weil wir Kinder auf die Welt bringen? Unsere bisherigen Leistungen, Ausbildungen und Erfahrungen verschwinden doch nicht!

Zum Glück gibt es aber auch einige Jobcoaches, die es etwas anders sehen.

„Der Ratschlag Kinder zu verschweigen mag gut gemeint sein, wirft aber ein schiefes Licht auf die Bewerberin. Dass Frauen heutzutage gezwungen sind, etwas so Wesentliches wie Kinder aus ihrem Lebenslauf wegzulassen, um am Arbeitsmarkt zumindest eine Chance auf ein Bewerbungsgespräch zu erhalten, stimmt mich traurig und schockiert mich.“ (Gudrun Tockner, HR Consultant) (Den ganzen Artikel könnt ihr übrigens hier nachlesen: http://www.tockner.com/kinder-sind-doch-relevant/)

Nicht dass ihr was falsch versteht, natürlich gibt es auch Väter, die in Karenz gehen und womöglich mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert sind. Oder auch Väter, die nicht in Karenz gehen, aber aufgrund der „Killervirenzuchtanstalt“ Kindergarten in den ersten Jahren mit den Kleinen öfter Krankenstände haben. Auch das sind verständlicherweise Herausforderungen für Unternehmen, v.a. wenn es Kleinbetriebe sind, die auf genau diesen Mitarbeiter angewiesen sind. Doch das sollte die bisher erbrachte Leistung nicht schmälern.

Kinder kosten Pfelgeurlaubstage

Kinder brauchen Aufmerksamkeit, Kinder (vor allem ab dem Kindergartenalter) werden krank, wer kümmert sich um sie? Mütter mit (kleinen) Kindern „kosten“ das Unternehmen Pflegeurlaubstage.

Mal ehrlich – das sind doch keine Geheimnisse. Aber auch hier gibt es Gesetze und es ist ja nicht so, dass man ewig lang von der Arbeit unbezahlt fernbleibt in einem Krankheitsfall, sondern eine bis max.2 Wochen im Jahr, auf die man Anspruch hat. Überrascht bin ich darüber, dass man automatisch annimmt, dass es sonst niemanden im Umfeld gibt, der einen unterstützt. Ich weiß, dass es für viele, vor allem auch alleinerziehende Mamas sehr sehr schwierig ist. Vor allem, wenn sie kein Netzwerk in ihrem Heimatort haben, der sich bei Krankheit z.B. um die Kleinen kümmert. Hier finde ich Initiativen wie z.B. die „Notfallmama“ oder Leihoma ganz toll. Aber es geht hier um grundsätzliche Annahmen. Ohne einen Menschen zu kennen oder mit uns gesprochen zu haben, nehmen viele an, dass wir uns nicht organisieren können.

„Wieso schicken Sie mir Mütter, wenn wir doch eine Nachmittagskraft suchen.“

Ähm. Ja. Warum auch nicht? Vielleicht ist der Papa nachmittags zuhause mit den Kleinen. Oder die Omi. Warum von vornherein urteilen?

Mütter sind besser organisiert, als man(n) glauben mag

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich glaube ich bin seit ich Kinder habe sogar noch besser organisiert, als vorher. Gut, ohne es zu beschönigen, die Mehrfachbelastung, die ich mit einem Kleinkind, einem Neugeborenen und der Selbstständigkeit hatte, würde ich in der Form nicht noch einmal machen und es auch niemandem empfehlen, der vielleicht mit dem Gedanken spielt. Natürlich kommt es immer auf das Kind an. Unser kleiner Schatz war z.B. immer schon ein schlechter Schläfer, im ersten Lebensjahr wurde also nachts schon mal auch halbstündlich gestillt, tagsüber warteten viele andere Aufgaben, sodass der Körper irgendwann am Limit angelangt war.

Irgendwann – und da sind die Empfindungen einfach bei jedem von uns anderes – möchte frau aber wieder in ihr „gewohntes“ Leben zurück. Auch wenn es nur für ein paar Stunden ist, in denen wir einfach Kontakt zur „Außenwelt“ haben und uns auch mal nicht nur über volle Windeln oder deren Inhalte, Topfigehen, Dauerstillen, mäkelige Esser, Kinderkrankheiten etc. unterhalten können. In einer Sprache, die aus mehr als zwei zusammenhängenden Worten besteht.

Könnt ihr euch eigentlich vorstellen, liebe Arbeitgeber, Personalisten und HR Beauftragte, wie produktiv Mütter dann sind, wenn sie voller Tatendrang einer Arbeit nachgehen wollen, die nicht in ihren eigenen vier Wänden stattfindet und die sie für einige Stunden aus ihrem gewohnten Alltag mit Babys oder Kleinkindern holen?

Sie können viele Dinge gleichzeitig meistern, sie können vieles zeitlich kompromiert machen und schaffen die Arbeit von 40 Stunden oft auch in 25 oder 30 Stunden. Warum? Weil es das Leben mit Babys oder Kleinkindern abverlangt und der Tagesablauf einfach so viele verschiedene Aufgabengebiete beinhaltet.

Dennoch verändert sich mit unseren kleinen lieben vieles. Auch die Wahl des Arbeitgebers. War es uns vorher egal, ob das Unternehmen, in dem wir arbeiten kinderfreundlich war, richtet sich die Wahl unseres Arbeitsplatzes mit Kindern ganz danach aus. Dementsprechend kommen auch z.B. folgende Empfehlungen von HR-Spezialisten:

„Wenn das Unternehmen, bei dem man sich bewerben möchte, ein familienorientiertes ist, das Benefits wie Kinderbetreuung oder Teilzeit anbietet, dann macht es Sinn, mit offenen Karten zu spielen und auch die Kinder proaktiv im Lebenslauf anzugeben.“ (Swetlana Mayer, Hays Österreich GmbH)

Mutter sein ist die beste Management-Ausbildung!

Nur so als kleine Auflistung:

  • Wir entwickeln Führungskompetenzen, denn wir sind für die Erziehung einen kleinen Lebenwesens verantwortlich.
  • Wir haben Budgetverantwortung, denn ein Haushalt muss genauso geplant und das Haushaltsbudget verwaltet werden.
  • Wir lernen Prioritäten setzen, damit unser „Betrieb“ Familie funktioniert.
  • Wir sind situationselastisch – in jeder Hinsicht. Ob es um die selbstständige Auswahl der Kleidung eines trotzigen Kleinkindes, das Essen oder im Speziellen darum geht, wie man das Butterbrot „richtig“ schneidet. Oder ob es überhaupt ein Brot unter der Butter braucht, weil die schmeckt ja auch ohne irgendetwas.
  • Und wir sind mit Überstunden und Nachtarbeit bestens vertraut.

Warum also sollten wir unsere Kinder im Lebenslauf verstecken oder nicht angeben?

#wirsindwertvoll und wir haben so einiges auf dem Kasten.

„Es ist alles eine Frage der Organisation – auch mit kleinen Kindern. Ich bin überzeugt, dass Sie das schaffen.“

Wenn auch diese Aussage selten gehört wird, gibt es auch solche Arbeitgeber. Wir müssen nur nach ihnen suchen!

Natürlich könnt ihr beim beruflichen Wiedereinstieg selbst entscheiden, Ratschläge von Jobcoaches befolgen, die euch dazu raten, euch ausschließlich auf eure bisherige Arbeitserfahrung zu konzentrieren. Die Angaben von Familienstand und Kindern ist immer noch freiwillig. Es mag auch sein, dass ihr so schneller zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werdet oder sogar schneller einen Job bekommt. Aber ganz ehrlich: Wenn euch/uns ein Unternehmen aufgrund unserer Kinder nicht einstellt, dann entgeht dem Unternehmen eine qualifizierte Arbeitskraft. Eine langfristige Zusammenarbeit kann nur durch Ehrlichkeit von Anfang an bestehen und ein Unternehmen, das ein Problem in Müttern sieht, passt bei mir zumindest nicht in meinen Lebensalltag.

Ich bin mir dennoch sicher, dass es sowohl in Österreich als auch in Deutschland Betriebe gibt,die für Familienfreundlichkeit stehen und auch das,was wir bisher geleistet haben hoch schätzen. Begeben wir uns auf die Suche!

Liebe familienfreundliche Unternehmen: werdet sichtbarer für uns.

Ich für mich habe entschieden, meine Kinder im Lebenslauf anzugeben. Ich habe sie 9 Monate unter meinem Herzen getragen, schlaflose Nächte verbracht, um sie zu nähren, zu trösten, ihnen Nähe zu spenden. Und ich verbringe viele viele schöne, wertvolle Tage mit ihnen. Sie bereichern mein Leben und ich werde immer stolz auf sie sein. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens und daher auch meines Lebenslaufes.

Seid stolz darauf, was ihr jeden Tag und jede Nacht aufs Neue leistet! Seid selbstbewusst und zeigt das auch in euren Bewerbungen. Es gibt nichts, wofür wir uns oder unsere Kinder verstecken sollten!

Wie geht es euch damit? Wenn ihr eure Geschichte mit uns teilen möchtet, könnt ihr gerne eine email schicken und es anonym veröffentlichen. Oder einfach hier kommentieren. Ich möchte euch mit diesem Beitrag einfach ein bisschen Mut machen und zeigen, dass ihr nicht alleine seid.

Oder postet einfach in euren sozialen Netzwerken mit #wirsindwertvoll #dubistwertvoll #ichbinwertvoll was ihr großartiges leistet. Tag für Tag und Nacht für Nacht!

Eure Lana

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Mein Name ist Svetlana Hartig (Lana), ich bin verheiratet und Mama von Elena und Julijan. FreshBaby® war eine Idee, die im Zuge der Beikost mit Elena geboren wurde und die mir jeden Tag aufs Neue eine Freude bereitet. Kochen und Backen ist schon lange mein Hobby. Mit FreshBaby & FreshBaby Family möchte ich mein Wissen und meine Leidenschaft an andere Familien und Institutionen weitergeben und euch und eure Lieben kulinarisch verwöhnen. FreshBaby steht für gesunde und abwechslungsreiche Familienkost und Baby-led Weaning, der selbstbestimmten Beikost für Babys ab 6 Monaten. Unterstützt werde ich dabei von meinem lieben Mann, den beiden Zwergen und vom Thermomix®. Studiert habe ich Politikwissenschaften und Business Management. Derzeit mache ich noch meine Ausbildung zum dipl.Kinderernährungscoach.

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